PROZESS DER UNTERNEHMENSNACHFOLGE IN FAMILIENUNTERNEHMEN

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UNTERNEHMENSNACHFOLGE IN FAMILIENUNTERNEHMEN

Auch erfolgreiche Unternehmer kommen in die Jahre. Irgendwann müssen sie sich dafür entscheiden, ihre Firma an einen Nachfolger zu übertragen. Das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IMF) geht davon aus, dass in den Jahren 2018 bis 2022 in rund 150.000 Familienunternehmen mit mehr als 2,4 Millionen Beschäftigten eine Unternehmensnachfolge auf der Agenda steht. In etwas mehr als der Hälfte dieser Firmen soll auch die nächste Generation der Unternehmensführung aus der eigenen Familie kommen.

Unternehmensnachfolge - ein strategisches Projekt

Die Vorbereitung und Organisation einer Unternehmensnachfolge ist ein Projekt, das Zeit beansprucht und strategischen Charakter trägt. Im Schnitt sind solche Übergaben in einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren abgeschlossen. In anderen Fällen kann es auch mehr als fünf Jahre dauern, bis die Unternehmensnachfolge abschließend geregelt ist.

Unternehmer sollten sich also durchaus schon frühzeitig mit der Frage beschäftigen, wer ihre Firma nach ihnen führen soll. Sinnvoll ist, den Generationswechsel mit etwa 60 Jahren einzuleiten, um später nicht unter Zeitdruck zu geraten.

Wer soll das Familienunternehmen übernehmen?

In vielen Familienunternehmen stellt sich diese Frage scheinbar nicht: Für die Unternehmensnachfolge sind die eigenen Töchter oder Söhne die allerersten und aus der Sicht der älteren Generation auch die einzigen in Frage kommenden Kandidaten. In der Praxis verbinden sich damit jedoch viele Fragen. Eine Unternehmensübergabe an die eigenen Kinder macht nur Sinn, wenn diese daran tatsächlich Interesse haben. Der Senior selbst muss davon überzeugt sein, dass das Unternehmen bei der nächsten Generation in guten Händen ist, aber auch bereit sein, ihr die Verantwortung für die Firma tatsächlich zu übertragen. Im Gegenzug müssen die Juniorinnen und Junioren auch die Freiheit haben, sich gegen eine familieninterne Unternehmensnachfolge zu entscheiden. Wenn diese Freiheit nicht gegeben ist, wird eine erfolgreiche Nachfolgelösung innerhalb der Familie sehr wahrscheinlich scheitern.

Entscheidungszeit und Loslassen sind wichtig

Für die Vorbereitung der Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen ist ein Zeitplan hilfreich, der für den Senior und seinen Nachfolger zunächst eine "Probezeit" enthält. Wenn Tochter oder Sohn den Willen und die nötigen Qualifikationen zur Führung eines Unternehmens besitzen, ergeben sich daraus gute Voraussetzungen für die Übergabe. Oft entscheiden sich Unternehmer in dieser Konstellation zunächst für eine gemeinsame Unternehmensführung, um ihre Nachfolge vorzubereiten. Ein solches Konzept kann sehr erfolgreich sein, jedoch auch völlig scheitern. Der Altersunterschied zwischen den Generationen zieht in der Regel auch unterschiedliche Positionen im Hinblick auf die künftige Entwicklung des Geschäfts, die Prozesse sowie die Organisations- und Führungskultur der Firma nach sich.

Gleichzeitig müssen Eltern und Kinder ihre Rollen im Rahmen der Unternehmensnachfolge definieren - problematisch wird es oft, wenn ihre private Beziehung und ihre Rolle in der Firma ineinander fließen. Ein klares Rollenverständnis beider Seiten, eine entsprechend definierte Aufgabenverteilung und die Einbindung anderer Führungskräfte hilft dabei, die Unternehmensnachfolge auf eine sachliche Grundlage zu stellen.

Trotzdem ist die Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen für den Senior immer auch mit der Aufgabe des Loslassens verbunden. Gerade engagierten Gründern, die ihr Unternehmen seit Jahrzehnten führen, fällt sie schwer. Experten empfehlen Familienunternehmen deshalb, ihre Nachfolge auf der Grundlage einer Familienverfassung zu gestalten. Dabei handelt es sich um einen Kodex, an dessen Erarbeitung alle Familienmitglieder beteiligt sind, die in einer direkten oder indirekten Beziehung zum Familienunternehmen stehen. Eine Studie der Unternehmensberatung pwc, der Otto Beisheim School of Management und der INTES Akademie für Familienunternehmen aus dem Jahr 2015 zeigt, dass sich rund 35 Prozent der Familienbetriebe, in denen eine Unternehmensnachfolge ansteht, für diesen Weg entschieden haben und damit positive Erfahrungen machen.

Unternehmensnachfolge durch mehrere Kinder der Familie?

Ein eher problematisches Szenario ergibt sich daraus, wenn mehrere Kinder der Unternehmerfamilie die Firma gleichberechtigt weiterführen sollen. Das Fällen unternehmerischer Entscheidungen wird hierdurch häufig schwierig, was für das Unternehmen perspektivisch existenzbedrohend werden kann. Besser ist, einen Nachfolger zu bestimmen, der die Gesamtverantwortung für das Familienunternehmen trägt. Weitere Kinder, die im Unternehmen tätig werden wollen oder es bereits sind, erhalten eigenständige Aufgabenbereiche, haben jedoch nur ein nachgelagertes Mitspracherecht im Hinblick auf die Unternehmensführung.

Rechts- und Steuerfragen

Bei der Vorbereitung einer Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen sind auch zahlreiche rechtliche und steuerliche Fragestellungen zu klären. Für Familienunternehmen gelten diverse spezielle Rechtsvorgaben, die erfüllt werden müssen, um spätere Unstimmigkeiten innerhalb der Familie, aber auch juristische Auseinandersetzungen zu vermeiden. Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang die Synchronisierung des Testaments mit den Zielen, die Unternehmer im Erbfall für ihre Firma haben. Wenn sie nicht erfolgt, gilt in Deutschland, das Gesellschaftsrecht vor Erbrecht geht. Ebenso müssen Regelungen für das Einkommen des Seniors nach der Firmenübergabe getroffen werden.

In steuerlicher Hinsicht stehen unter anderem Entscheidungen darüber an, ob Vermögenswerte - beispielsweise Immobilien - im Unternehmen verbleiben oder herausgelöst werden sollen. Ebenso ist es erforderlich, die Rechtsform sowie bisherige steuerliche Konstruktionen zu überprüfen. Zum Beispiel steigert die Offenlegung stiller Reserven den Unternehmenswert, was sich positiv auf spätere Finanzierungsmöglichkeiten oder auf den Verkaufspreis des Unternehmens an Externe auswirkt.

Unternehmensnachfolge durch Externe

Für eine Übergabe der Firma an Externe kann es unterschiedliche Gründe geben: Der eigene Nachwuchs ist nicht interessiert oder der Senior traut ihm nicht zu, dass er die Firma erfolgreich weiterführt. Auch bei Unternehmen mit einer schwierigen wirtschaftlichen Perspektive kann eine externe Lösung die bessere Variante sein.

Auch hier stehen Unternehmer zunächst vor der Aufgabe, einen passenden Nachfolger zu finden. Die IMF-Schätzungen weisen auch hierzu Zahlen aus: Demnach werden rund 18 Prozent der Familienunternehmen durch Mitarbeiter übernommen. Auch in dieser Konstellation hat der Senior die Möglichkeit, die Übergabe langfristig und zusammen mit seinem Nachfolger zu gestalten. 29 Prozent der Firmen stehen zum Verkauf - viele Unternehmer machen dabei die Erfahrung, dass sich die Suche nach einem Käufer alles andere als leicht gestaltet. Ein solcher Verkaufsprozess beginnt mit der Unternehmenswertermittlung, um den angestrebten Verkaufspreis festzulegen. Danach muss eine Verkaufsstrategie entwickelt werden. Unternehmensverkäufe werden auch von Familienunternehmen fast immer als ein streng geheimes Projekt gehandhabt, um bei Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden keine vorzeitigen Unsicherheiten zu erzeugen.