DIE UNTERNEHMENSKRISE – ANFANG VOM ENDE
ODER NEUBEGINN?

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DIE UNTERNEHMENSKRISE: ANFANG VOM ENDE ODER NEUBEGINN DURCH UNTERNEHMENSSANIERUNG?

Eine Unternehmenskrise muss nicht zwingend in ein Insolvenzverfahren münden. Ob eine Insolvenz das Ende eines Unternehmens besiegelt oder ob durch eine Sanierung ein Neubeginn möglich ist, hängt von der Intensität der Unternehmenskrise ab. Oftmals ist die Insolvenz die Konsequenz einer seit längerem andauernden Krise, deren typische Krisensymptome zu lange übersehen wurden. Welche Symptome und Ursachen das sind und wann eine Insolvenz nicht mehr abwendbar oder ein Neubeginn durch Sanierungsmaßnahmen möglich sind, mehr dazu hier.

Unternehmenskrise: Typische Ursachen und Krisensymptome

Wird eine Unternehmenskrise sichtbar, stellt sich die Frage nach möglichen Ursachen. Der Blick richtet sich zunächst auf das Umfeld, auf unglückliche äußere Umstände oder auf die Marktentwicklung beziehungsweise Marktveränderungen.

1. Innere und äußere Ursachen einer Unternehmenskrise


Tatsächlich sind die meisten Unternehmenskrisen hausgemacht, bei denen innere und äußere Ursachen sich gegenseitig bedingen. So treffen zum Beispiel Marktveränderungen auf eine unflexible Unternehmensführung, die es versäumt, entsprechende Anpassungen auf unterschiedlichen Ebenen vorzunehmen. Selten ist es nur eine Ursache, sondern eine Kombination aus mehreren Ursachen, die selbst erfolgreiche Unternehmen in eine Unternehmenskrise treiben können. Beispiele für externe Unternehmenskrisen sind Marktveränderungen, Branchenkrisen, eine Konjunkturkrise sowie geänderte Regulierungen, wenn zum Beispiel Subventionen auslaufen oder bisherige Fördermittel gestrichen werden. Eine Unternehmenskrise kann auch durch innerbetrieblich bedingte Maßnahmen verursacht werden. Dazu gehören zum Beispiel mangelndes Controlling, Managementfehler sowie innerbetriebliche Konflikte zwischen den Verantwortlichen und private Ursachen, zum eine fehlende Nachfolgeregelung in Familienunternehmen.



2. Vor der Unternehmenskrise - die Krisensymptome


Noch bevor die Unternehmenskrise offen zutage tritt, zum Beispiel durch mangelnde Liquidität oder sinkende Erträge, machen erste Krisensymptome deutlich, dass etwas nicht stimmt. Sie äußern sind durch folgende Faktoren:

  • Konflikte innerhalb der Firmenleitung, die eine einheitliche Unternehmensführung vermissen lassen
  • Hoher Krankenstand und steigende Fehlzeiten bei Mitarbeitern
  • Verfehlen von Planzahlen
  • Steigende Außenstände
  • Verlust wichtiger Bestandskunden, keine Neukundengewinnung
  • Zunehmender Preisdruck durch Konkurrenten

Die Krisenanzeichen werden im Außen erst erkennbar, wenn sich die Krise bereits deutlich zugespitzt hat, sodass der Handlungsdruck und das Bedrohungspotenzial massiv steigen.



3. Die verschiedenen Krisenstadien


Für Sanierungsgutachten gibt es den Standard IDW S6, wonach insgesamt sechs verschiedene Krisenstadien durchlaufen werden können, aber nicht zwingend müssen. Beim Standard IDW S6 handelt es sich um den Standard mit der Nummer 6 des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). Gemeinsam ist den Krisenstadien, dass der Handlungsspielraum des Unternehmens im Verlauf der Unternehmenskrise kontinuierlich abnimmt.

  • Stakeholder-Krise: Noch sind keine Krisenanzeichen im Außen zu erkennen. Es treten jedoch erste Konflikte zwischen den Stakeholdern auf, die von den Aktivitäten des Unternehmens betroffen sind. Dazu gehören unter anderem Banken, Eigentümer, Arbeitnehmer, die Geschäftsleitung, Lieferanten und Kunden.
  • Strategiekrise: Eine falsche Einschätzung der Marktentwicklung und der Wettbewerbssituation bedingen die Strategiekrise. In Folge werden Fehlinvestitionen getätigt, und die Wettbewerbsfähigkeit geht verloren, sodass sich die Nachfrage gravierend verändert.
  • Produkt- und Absatzkrise: Die rückläufige Nachfrage führt zu einer Produkt- und Absatzkrise sowie zu sinkenden Umsätzen. Eine Absatzkrise kann auch ohne Rückgang der Nachfrage ausgelöst werden, unter anderem durch Qualitätsprobleme, eine falsche Preispolitik oder Schwächen im Sortiment.
  • Erfolgskrise: Werden in der Absatzkrise keine Gegenmaßnahmen getroffen, wirkt sich das auf die Rentabilität aus. Was folgt, sind Maßnahmen zur Kostensenkung und die Entlassung von Mitarbeitern. Zahlungsziele werden überschritten, Aufträge knapper kalkuliert sowie Nachlässe und Zusatzleistungen angeboten. Schlechte Erfolgszahlen senken die Kreditwürdigkeit. Notwendige Investitionen bleiben aus.
  • Liquiditätskrise: Sobald Verbindlichkeiten nicht mehr fristgerecht bedient werden können, erreicht die Unternehmenskrise existenzbedrohende Ausmaße. Gleichzeitig fahren Lieferanten und Banken ihre Kreditlinien zurück. Mahnungen häufen sich Zwangsvollstreckungen drohen. Auch eine ungünstige Finanzierungsstruktur kann eine Liquiditätskrise bedingen, unter anderem die Überlagerung von Fälligkeiten oder eine zu geringe Eigenkapitalausstattung.
  • Insolvenzlage: Besteht für die Rechtsform des Unternehmens die Pflicht, einen Insolvenzantrag zu stellen, muss ein Insolvenzverfahren eingeleitet werden, um eine Insolvenzverschleppung zu vermeiden, die mit strafrechtlichen Folgen verbunden ist.

Wege aus der Unternehmenskrise: Insolvenzantrag, außergerichtliche Sanierung oder Prüfung der Sanierungsfähigkeit

1.


Ob ein Unternehmen insolvent ist, hängt von der jeweiligen Rechtsform und von den Bestimmungen der Insolvenzordnung (InsO) ab. Insolvent ist es bei Zahlungsunfähigkeit, bei drohender Zahlungsunfähigkeit und im Falle einer Überschuldung. Anzeichen für eine Insolvenz sind unter anderem eine mehrfache Erhöhung der Kreditlinie, die Häufung von Zahlungsstockungen, vermehrter Einsatz von Eigenkapital und fehlendes Investitionskapital.


2.


Besteht nach der InsO keine Pflicht, einen Insolvenzantrag zu stellen, besteht die Möglichkeit einer außergerichtlichen Sanierung. Um dem Unternehmen Luft zu verschaffen, die Unternehmenskrise zu überwinden, wird mit den Gläubigern ein Teilzahlungsvergleich geschlossen. Mit Hilfe eines Insolvenzplanes, bei dem es sich um einen gerichtlichen Teilzahlungsvergleich mit den Insolvenzgläubigern handelt, kann eine Restschuldbefreiung und damit eine Entschuldung erzielt werden.


3.


Eine weitere Möglichkeit, aus der Unternehmenskrise zu kommen, ist die Umsetzung eines Sanierungskonzeptes, das eine fachgerechte Lösung für den konkreten Einzelfall ist. Dazu muss das Unternehmen sanierungsfähig sein. Das setzt einmal eine gutachterlich festgestellte positive Fortführungs- und Fortbestehungsprognose voraus. Die bereits geplanten und umgesetzten Maßnahmen müssen geeignet sein, um das Unternehmen nachhaltig zu sanieren und eine begründete Aussicht auf Erfolg haben.

Die Sanierung als Neustart aus der Unternehmenskrise

Die Sanierung hat die Aufgabe, ein Unternehmen aus der Unternehmenskrise zu führen, es zu "heilen" und wiederherzustellen. Das Wort Sanierung wird von "sanare" aus dem Lateinischen abgeleitet. Doch was bedeutet das konkret, und welche Ziele sollen mit einer Unternehmenssanierung erreicht werden? Zunächst einmal geht es darum:

  • die akute Existenzgefährdung abzuwenden
  • ein Konzept für die nachhaltige Wiederherstellung der Rentabilität zu entwickeln
  • die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen

Um den Weg aus der Unternehmenskrise zu schaffen und diese Ziele zu erreichen, bedarf es einmal finanzwirtschaftlicher Maßnahmen, durch die die Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung des Unternehmens abgewendet werden kann. Daneben sind leistungswirtschaftliche Maßnahmen erforderlich, die eine positive Unternehmensentwicklung sicherstellen. Wichtiger Bestandteil des Sanierungskonzeptes ist das Leitbild, das ein Bild des sanierten Unternehmens beschreibt. Dazu gehören langfristige Zielvorstellungen und Strategien, eine angestrebte Wettbewerbsposition und Wettbewerbsvorteile aus Kundensicht sowie Grundregeln, Verhaltensweisen und Wertvorstellungen, die der Kern der Unternehmenskultur sind.