DIE PFLICHTEN DES SANIERUNGSBERATERS

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SERIÖS UND ZIELBEWUSST: DIE PFLICHTEN DES SANIERUNGSBERATERS

Ihr Berater muss ein Allrounder sein

Das dürfen Sie erwarten: Ein Sanierungsberater muss sich rechtlich und wirtschaftlich gut auskennen, er muss zwischen unterschiedlichen Interessen ausgleichen können und er braucht in seinem Vorgehen ebenso Härte wie Sensibilität. Schließlich geht es bei einer Unternehmenskrise nicht um den Betrieb allein, sondern auch um Menschen, die in einer Extremsituation sind. Denn sie spüren, dass aus einer momentanen Liquiditätskrise auch ein ausgewachsener Bankrott mit Arbeitsplatzverlust werden kann und dann ein nervenzehrendes Insolvenz-Verfahren droht.

Der Sanierungsberater steht vor einer Fülle von Aufgaben. Er hat die Sanierungswürdigkeit zu prüfen, die Sanierungsfähigkeit festzustellen und bei einer günstigen Fortführungsprognose einen Sanierungsplan mit angemessenen Sanierungsmaßnahmen zu entwickeln. Vielleicht gelingt ihm gerade noch eine Insolvenz-Vermeidung. Oder er kann zumindest eine Sanierung in Eigenverwaltung erreichen und dabei die Geschäftsleitung durch das Schutzschirmverfahren nach ESUG sicher begleiten.

Oder er entdeckt die Möglichkeiten, eine strategisch geschickte Unternehmenssanierung durch Insolvenz herbeizuführen. Mit einer schonungslosen Fehleranalyse deckt er die Managementfehler auf, betreibt mit Ihnen zusammen Erste Hilfe in Form von Krisenmanagement, um nach der Sanierung in einem konsequenten Change Management einen Turnaround einzuleiten. Weil der mögliche Erfolg abgesichert werden muss, unterstützt er Sie dabei, Ihr Controlling und Ihr Risikomanagement zu verbessern, das offensichtlich ja bereits versagt hat, bevor Ihr Liquiditätsengpass eingetreten ist.

Er sorgt dafür, dass Sie Ihrer Insolvenz-Antragspflicht nachkommen und keine Insolvenz-Verschleppung verursachen. Damit bewahrt er Sie als den von ihm betreuten Geschäftsführer oder Vorstand vor Schaden und Strafverfolgung. Ihr Sanierungsberater muss also ein Allrounder sein.

Was der Berater von Ihnen braucht: Vertrauen und Offenheit

Damit er seine Rechtsdienstleistungen und Beratungsleistungen bestmöglich einbringen kann, ist er auf Sie angewiesen. So braucht er zu allererst Ihr Vertrauen und Ihre Offenheit.

Legen Sie alle ‒ wirklich alle! ‒ Fakten auf den Tisch.

Das ist wie beim Arzt: Der kann Ihnen auch nur mit der richtigen Therapie helfen, sofern Sie ihm alles sagen, was er wissen muss. Wenn und was auch immer Ihr Berater nachfragt ‒ geben Sie ihm uneingeschränkt alle Informationen.

Mit der gegenseitigen Offenheit kann sich auch die wichtigste Grundlage entwickeln: Vertrauen.

Es ist nicht zu verordnen und nicht einfach anzuknipsen wie Helligkeit durch einen Lichtschalter. Sie müssen sich auf Ihren Berater und sein Expertenwissen verlassen können. Wenn Sie Zweifel haben, sollten Sie es ihm sagen und mit ihm in einem ehrlichen Gespräch alles erläutern.

Wichtig auch: Entscheidungen immer gemeinsam treffen. Denn für den gesamten Beratungszeitraum sind Sie miteinander ein Team.

Wo Ihr Berater in der Pflicht steht

Die Pflichten des Sanierungsberaters ergeben sich aus dem jeweiligen konkreten Auftragsverhältnis. Sie schließen mit ihm einen Vertrag, in dem die zu erreichenden Ziele, seine Aufgaben, seine und Ihre Rechte und Pflichten genau festgehalten werden.

Nennen Sie ihn Krisen- oder Sanierungs-, Restrukturierungs- oder Turnaround-Berater: Das sind keine rechtlich geschützte Berufsbezeichnungen. Zwischen diesen Tätigkeiten gibt es im Wirtschafts- und Rechtsleben durchaus Unterschiede, aber die Übergänge sind fließend.

Ihr Sanierungsberater ist in der Regel entweder Rechtsanwalt, Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer. Diese Berufe unterliegen einem bestimmten Standesrecht.
  • Für Rechtsanwälte umschreibt die Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) die Pflichten. So verlangt etwa § 43: „Der Rechtsanwalt hat seinen Beruf gewissenhaft auszuüben. Er hat sich innerhalb und außerhalb des Berufes der Achtung und des Vertrauens, welche die Stellung des Rechtsanwalts erfordert, würdig zu erweisen.“ Die BRAO zählt weitere Pflichten auf und sieht in § 113 als Ahndung einer schuldhaften Pflichtverletzung eine Maßnahme durch das Anwaltsgericht vor.
  • Für Steuerberater gelten die im Steuerberatungsgesetz (StBerG) ab § 56 ff. genannten Vorschriften.
  • Rechte und Pflichten der Wirtschaftsprüfer finden sich in den §§ 43 bis 56 der Wirtschaftsprüferordnung (Gesetz über eine Berufsordnung der Wirtschaftsprüfer). Konkreter führt sie die Berufssatzung für Wirtschaftsprüfer / vereidigte Buchprüfer (BS WP/vBP) auf.

Nicht eigens gesetzlich geregelt sind die besonderen Pflichten von Unternehmensberatern. Das liegt daran, dass sie sehr breit gefächerte Tätigkeitsfelder haben und sich manche auch als Wirtschaftsberater, Betriebsberater oder spezifiziert als Personalberater bezeichnen.

Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) hat für seinen Beruf eigene verbindliche Werte, ein gesondertes Qualitätsverständnis und bestimmte Standards definiert.

Beratungsberufe haben sich klare Verhaltens- und Ethikregeln zur Grundlage gemacht. Dazu zählen Eigenverantwortung und Unabhängigkeit, Sorgfalt, Objektivität und Vertraulichkeit. Interessenskonflikte sollen stets vermieden werden. Die berufliche Kompetenz wird durch strenge Zulassungsbedingungen und ein Gebot der permanenten Weiterbildung garantiert.

Jede Beratung bedeutet intensive Interaktion zwischen dem Kunden, Mandanten oder Klienten einerseits und dem Experten andererseits.

Sie ist schon auf Grund der Aufgabenstellung ein komplexer Prozess und gliedert sich meist in fünf Schritte:

  1. Analyse des Ist-Zustandes

  2. Definition des Soll-Zustandes

  3. Entwicklung der Wege dorthin

  4. Kalkulation des Aufwands, Bereitstellung und Beschaffung der Ressourcen

  5. Steuerung und Begleitung der Umsetzung

Wenn die Geschäftsleitung beratungsresistent ist

Viele Berater wissen aus ihrer Praxis, dass ein Geschäftsführer, Vorstand, Unternehmer oder Gesellschafter nicht immer für alles Notwendige offen ist, Hinweise nicht akzeptiert und Empfehlungen nicht einsieht.

Solche Hardliner sind beratungsresistent. Hier kann der Sanierungsberater seinen Auftrag nicht wahrnehmen. Dann sollte er alle Interessen sorgfältig abwägen, letztlich die Reißleine ziehen und seine Tätigkeit einstellen.