MÖGLICHKEITEN, UM DIE LIQUIDITÄT ZU VERBESSERN

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Lesezeit: 3 min

DIE LIQUIDITÄT VON UNTERNEHMEN VERBESSERN -
WELCHE MÖGLICHKEITEN GIBT ES?

Wenn ein Unternehmen seine Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen kann, herrscht ein Liquiditätsengpass. Unbeglichene Rechnungen führen in der Regel nicht nur zu verschiedenen Folgekosten für Mahngebühren, Zinsaufwendungen etc., sondern auch zu einem erheblichen Vertrauensverlust bei Lieferanten und Geschäftspartnern. Im schlimmsten Fall droht bei mangelnder Liquidität die Insolvenz.

Deshalb ist es extrem wichtig, bei Zahlungsschwierigkeiten sofort gegenzusteuern und Maßnahmen zu ergreifen, die die Liquidität verbessern. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die aber nicht unbedingt vollständig auf jedes Unternehmen zutreffen bzw. auch anwendbar sind. Hier muss situationsbedingt geprüft werden, welche Maßnahmen in Frage kommen und welche nicht.

Grundlegende Maßnahmen zur Verbesserung der Liquidität

Um die Liquidität zu erhöhen, sollte zunächst ein exakter Liquiditätsplan aufgestellt werden, der die Einnahmen und Ausgaben der nächsten Monate umfasst. Nur auf diese Weise lassen sich reelle Zahlen ermitteln. Ein einfaches und grobes Überschlagen reicht nicht aus. Dabei kann es Sinn machen, sich Hilfe von außen einzuholen, entweder durch einen kompetenten Unternehmens-, zumindest aber durch den eigenen Steuerberater.

Sobald der Liquiditätsplan steht, gilt es, sich Gedanken darüber zu machen wie:

  • 1. Einnahmen schneller verfügbar gemacht und/oder erhöht werden können
  • 2. Ausgaben reduziert und/oder verschoben werden können

Was den Ausgabenteil betrifft, sollte die Unternehmensführung offene und ehrliche Gespräche mit Lieferanten, Banken und auch dem Finanzamt führen. Und zwar rechtzeitig und nicht erst, wenn Zahlungsziele in allernächster Zukunft anstehen oder bereits abgelaufen sind. Lieferanten könnten um Verlängerung der Zahlungsziele gebeten werden, Banken um einen größeren Kreditrahmen, das Finanzamt um niedrigere Steuervorauszahlungen oder eine Stundung.

Checkliste möglicher Maßnahmen

Die folgende Checkliste enthält eine Vielzahl von Möglichkeiten der Liquiditätsverbesserung in unterschiedlichen Bereichen. Dabei trifft nicht jeder Punkt auf jedes Unternehmen zu. Die Bereiche, in denen für mehr Liquidität gesorgt werden kann, unterteilen sich in:

  • Unternehmenskapital
  • Betriebsvermögen und -organisation
  • Kundenseite
  • Lieferantenseite

Unternehmenskapital

  • Erhöhung des Eigenkapitals, eventuell durch eine Bareinzahlung aus dem Privatvermögen, sofern finanziell machbar.
  • Aufnahme von Gesellschaftern, die über Kapital verfügen und dieses in das Unternehmen einbringen können, eventuell als stille Beteiligung.
  • Möglichkeiten für eine Fremdfinanzierung ausloten.
  • Erhöhung des Kreditrahmens bei der Hausbank für eine schnellere Liquidität und zur Vermeidung von Überziehungszinsen.
  • Aufnahme eines Darlehens zur Liquiditätssicherung bei der KfW, etwa durch einen speziellen KfW-Unternehmerkredit.
  • Kurzfristige Anlage von eingehenden Zahlungen oder vorhandenem Kapital, zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto.
  • Reduzierung von Privatentnahmen auf ein Mindestmaß.

Betriebsvermögen und -organisation

  • Mittel durch den Verkauf von nicht benötigtem Betriebsvermögen (Grundstücke, Maschinen etc.) flüssig machen.
  • Leasing von Maschinen, Anlagen, Fahrzeugen etc. statt Kauf in Erwägung ziehen.
  • Betriebsvermögen abstoßen und zurückleasen ("Sale and lease back").
  • Nötige Investitionen inklusive Folgekosten genau berechnen, statt nur grob zu überschlagen.
  • Nicht unmittelbar nötige Investitionen zurückstellen.
  • Die Qualitätskontrolle im eigenen Unternehmen verstärken, um Ausschuss und Reklamationen durch Kunden zu vermeiden.
  • Kosten für selbst gefertigte Komponenten prüfen und eventuell auf günstigere, extern eingekaufte Produkte zurückgreifen.
  • Verzicht auf die Fertigung von Produkten, die keinen Betriebsvermögen oder sogar Verlust bringen.
  • "Ladenhüter" als Sonderangebote verkaufen.
  • Keine Produkte auf Lager fertigen, sondern nur nach Bestellung.
  • Überstunden von Mitarbeitern abbauen lassen, statt auszuzahlen.

Kundenseite

  • Ausgangsrechnungen sofort stellen, am besten direkt mit der Auslieferung von Bestellungen.
  • Außenstände konsequent einfordern, eventuell per gerichtlichem Mahnbescheid oder über ein Inkassobüro.
  • Einführung eines aktiven Forderungsmanagements - falls nicht vorhanden - mit regelmäßigen Anmahnungen offener Rechnungen nach Ablauf des Zahlungsziels.
  • Nutzung von Factoring, also den Verkauf offener Forderungen, bei dem sofort Einnahmen fließen.
  • Kurze Zahlungsziele festlegen.
  • Einräumung von Skonto-Zahlungen, da Kunden diese in der Regel nutzen und schneller zahlen.
  • Nichtliquiden Kunden Ratenzahlungen einräumen, um wenigstens einen Teil des Geldes schneller zu erhalten.
  • Angebot von Lastschriftverfahren, um ein "Vergessen" von Zahlungen zu vermeiden.
  • Anzahlungen durch Kunden einfordern, um eigene Vorleistungen zu verringern.
  • Neukunden auf Bonität prüfen, um Zahlungsausfällen oder -verzögerungen vorzubeugen.
  • Rabatte oder besondere Aktionen für Barzahler einräumen.
  • Eventuelle Dauerrabatte abschaffen oder verringern.
  • Kalkulation der Verkaufspreise überprüfen und diese eventuell erhöhen.

Lieferantenseite

  • Eine rechtzeitige und offene Kommunikation mit Lieferanten und Banken anstreben, um Vertrauensverluste und die Kündigung von Geschäftsverbindungen und Kreditverträgen zu vermeiden.
  • Längere Zahlungsziele mit Lieferanten vereinbaren.
  • Zahlungsziele so weit wie möglich ausnutzen.
  • Skonto-Angebote nutzen, wenn sich dafür eine Inanspruchnahme des Dispokredits finanziell lohnt.
  • Überflüssige und langfristige Lagerbestände reduzieren.
  • Auf Mengenrabatte bei großen Bestellungen verzichten, wenn nur kleine Stückzahlen von Lieferanten benötigt werden.
  • Einkaufsstrategien ändern und für jedes benötigte Produkt mehrere Angebote verschiedener Lieferanten einholen.
  • Waren nach Möglichkeit auf Kommission beziehen.

Fazit

Bei den meisten hier aufgeführten Maßnahmen ist zu berücksichtigen, dass sie sich lediglich eignen, um kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Langfristig sorgen sie häufig für eine höhere Belastung. Wenn die Ertragsaussichten für die Zukunft generell eher negativ als positiv ausfallen, sind grundsätzliche Schritte und eine allgemeine Neuausrichtung der Unternehmensstrategie zu erwägen. Dazu zählen zum Beispiel eine Änderung des Produktportfolios, die Schaffung neuer Vertriebskanäle und ein breit gefächertes Marketing. Um dies zu erreichen, können die Dienstleistungen einer Unternehmensberatung oder ein Interim Management sinnvolle Lösungen sein.