MAßNAHMEN IN DER UNTERNEHMENSKRISE

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Lesezeit: 4 min

MIT DEN RICHTIGEN MAßNAHMEN AUS DER UNTERNEHMENSKRISE

Es gibt gute und schlechte Zeiten - das gilt auch oder sogar besonders für Unternehmen. Denn eine Firma zu führen, bedeutet auch immer, die ein oder andere Unternehmenskrise zu meistern. Dabei gilt es in erster Linie, die jeweiligen Signale rechtzeitig zu erkennen und mit entsprechenden Maßnahmen gegenzusteuern. Gründe für eine Unternehmenskrise gibt es indes viele.

Aus diesen Gründen kommt es zur Unternehmenskrise

Warum ein Unternehmen letztendlich in eine Krise rutscht, ist immer individuell bedingt. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Im Allgemeinen lassen sich die Gründe für die Entstehung einer Unternehmenskrise in vier Prozessstufen unterteilen:

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Zu Beginn kommt es in der Regel zu einer Strategiekrise. Es fehlen unternehmerische Erfolgspotenziale, neue Ideen und Visionen. Das eigene Produktportfolio ist nicht optimal zusammengestellt und noch längst nicht vollständig ausgereift. Oftmals wird erst verspätet Handlungsbedarf gesehen. Ein typisches Beispiel hierfür ist eine zu spät eingeleitete digitale Transformation.

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Strategische Missstände dieser Art äußern sich zuerst vor allem in einer handfesten Ertragskrise. Einnahmen und Gewinne stagnieren oder schrumpfen sogar. Dies geht meistens einher mit wachsenden Lagerbeständen. Das bedeutet auch: es fehlt an den Mitteln, um Investitionen zu tätigen.

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Die Problematik der ausbleibenden Erträge führt fast immer unausweichlich zu einer Liquiditätskrise. Das Tagesgeschäft wird in dieser Phase stark in Mitleidenschaft gezogen. Rechnungen können nicht mehr bezahlt werden und es kommt zu Lieferengpässen. Viele Unternehmer und Geschäftsführer reagieren erst in dieser Phase auf die längst akute Unternehmenskrise.

4

Das ist aber meistens zu spät. Mit Hochdruck wird jetzt versucht, das Steuer herumzureißen und eine außergerichtliche Sanierung zu realisieren. Klappt dies nicht, endet der Prozess der Entstehung einer Unternehmenskrise zwangsläufig in der Insolvenz. Dies ist gleichbedeutend mit einer Überschuldung und Zahlungsunfähgkeit. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf eine erfolgreiche gerichtliche Sanierung.

Wenn die Unternehmenskrise droht: Maßnahmen immer frühzeitig einleiten

Zur Zahlungsunfähigkeit und Insolvenz muss es aber erst gar nicht kommen. Eine erfolgreiche Krisenbewältigung ist in der Regel auch immer eine frühzeitige Krisenbewältigung. Einen besonderen Stellenwert nehmen dabei die Handlungs- und Reaktionsschnelligkeit sowie die Fähigkeiten der Führungsebene ein. Dabei geht es nicht nur um die Umsetzung und Anordnung von Maßnahmen rund um eine Restrukturierung, einen Turnaround oder eine außergerichtliche Sanierung, sondern auch immer um die Kommunikation. Denn wenn Maßnahmen, Veränderungen und zum Beispiel auch Einsparungen wie erhofft greifen sollen, müssen die neuen Gegebenheiten den Mitarbeitern sowohl akzeptabel als auch nachvollziehbar vermittelt werden. Dazu zählt auch, dass Sie Ihre Mitarbeiter über die entsprechenden Maßnahmen permanent auf dem Laufenden halten. So können Sie verhindern, dass Unzufriedenheit und damit auch mangelndes Engagement und fehlende Motivation aufkommt. Denn genau das kann einem Unternehmen in der Krise letztendlich den Todesstoß versetzen.

Auf eine Unternehmenskrise angemessen reagieren

Zur Bewältigung einer drohenden oder auch schon akuten Unternehmenskrise in erster Linie auf kostenreduzierende Maßnahmen zu setzen, greift allerdings zu kurz. Zwar ist es unausweichlich, auch die Kosten zu senken und Einsparungen zu generieren, aber um tatsächlich den Turnaround zu schaffen, müssen auch Abteilungen, Prozesse und Abläufe neu organisiert werden. Die Holzhammer-Methode ist hierbei allerdings fehl am Platz. Organisatorische Umstrukturierungen gehen nämlich immer mit Ausfallzeiten und Ablaufzeiten einher. Daher müssen Sie eine Krisenbewältigungsstrategie entwerfen, die auf einem stufenweisen Vorgehen basiert. Auf diese Weise stellen Sie sicher, dass die einzelnen Unternehmensbereiche weiterhin in den jeweiligen Abläufen funktionieren. Dabei ist es elementar wichtig, dass es in einem Unternehmen spezifisches Know-how gibt, um den organisatorischen Umbau gezielt voranzutreiben. Zeitgleich gilt es, mittels moderner Technologien und neuer Produkte brachliegende Erfolgspotenziale zu nutzen.

Klingt abgedroschen, ist aber wahr: in der Ruhe liegt die Kraft

Vermeiden sollten Sie dabei auf jeden Fall überstürzte Maßnahmen. Dies ist in den meisten Fällen nichts mehr als blinder Aktionismus. Nicht nur Geschäftspartner, sondern auch Kunden und vor allem die eigenen Mitarbeiter merken das ganz schnell. Daher wirken sich zu schnell durchgeführte Maßnahmen in vielen Fällen genau gegenteilig hinsichtlich der eigentlich gewünschten Entwicklung aus. Zudem sollte sich eine Geschäftsführung nicht alleine auf das Ausmerzen der Schwachstellen des Unternehmens konzentrieren. Vielmehr müssen Know-how und Erfahrung gebündelt werden, um neue profitable Bereiche zu identifizieren und auszubauen. Diese Aufgabenvielfalt im Rahmen der Stabilisierung des Unternehmens macht dann auch immer eine langfristige Krisenbewältigungsstrategie erforderlich. Denn kurzfristige Maßnahmen respektive Notfallmaßnahmen entspannen die Unternehmenssituation in der Regel immer lediglich für einen kurzen Zeitraum.

Unternehmenskrise - diese Maßnahmen stehen für einen Turnaround

Um einem Unternehmen dann aber auch sicher mittels expliziter Turnaround-Maßnahmen zur Wende (hier: Turnaround) aus einer existenzgefährdenden Lage zu verhelfen, müssen neben Sofortmaßnahmen vor allem auch mittel- und langfristige Zielvorgaben definiert werden. In der Praxis sind folgende Maßnahmen - je nach spezifischem Fall - erfolgversprechend:

Kurzfristige Maßnahmen


  • Im Rahmen kurzfristiger Maßnahmen können Sie die wirtschaftliche Situation etwa durch das Veräußern von Vermögenswerten verbessern. Wichtig ist dabei, dass nur nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte verkauft werden. Zudem kann ein Unternehmen durch preiswerte Verkäufe die eigenen Lagerbestände drastisch senken und zeitgleich für ein Plus an Liquidität sorgen. Denkbar ist es auch, Gesellschafter-Darlehen in Anspruch zu nehmen oder zum Beispiel eine Bareinlage zu tätigen. Außerdem sollten Sie das Unternehmen noch einmal nach eventuell vorhandenen Reserven durchforsten und diese dann auch voll ausschöpfen. Ihr Augenmerk sollte sich aber auch auf nicht bezahlte Forderungen richten. Je nach Höhe der Außenstände, ist dies oftmals der erste Schritt in Richtung Turnaround.
  • Optimieren Sie zeitnah das Rechnungswesen und das Controlling in Ihrem Unternehmen. Das gewährleistet, dass Sie ein funktionierendes und effizientes Forderungsmanagement implementieren können. Empfehlenswert ist es im Rahmen einer Unternehmenskrise zudem, mit Factoring-Unternehmen, Kreditinstituten und Lieferanten aufzunehmen. Haben Sie Verbindlichkeiten bei Banken oder Lieferanten, können Sie vielleicht ein Stillhalteabkommen vereinbaren, was Ihnen mehr Zeit und mehr finanzielle Power gibt, die Unternehmenskrise erfolgreich zu bekämpfen. Außerdem sollte sich eine Geschäftsführung über mögliche Förderprogramme informieren.
Mittelfristige Maßnahmen


  • Mittelfristig müssen Sie vor allem die Kostenreduktion vorantreiben. Dazu zählen nicht nur die grundsätzliche Senkung sämtlicher betrieblicher Kosten, sondern beispielsweise auch das Einführen einer leistungsbezogenen Bezahlung zur Reduzierung der Lohn- und Lohnnebenkosten. Als mittelfristiges Ziel gilt auch die Optimierung der Vertriebsorganisation sowie die Verbesserung des Einkaufs von Ressourcen und Waren. Hier lassen sich gerade durch Kooperationen mit anderen Unternehmen gute Erfolge erzielen. Zudem steht der Abbau der Lagerbestände ganz oben auf der Agenda.
Langfristige Maßnahmen


Der konstante Erfolg bei der Bewältigung einer Unternehmenskrise wird aber immer nur durch langfristige Maßnahmen gewährleistet. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Identifizierung möglicher Chancen für die Zukunft
  • Entwicklung neuer Produkte
  • Anpassung der Gesellschaftsstruktur
  • Verlagern des Unternehmensstandortes
  • Zusammenlegung verschiedener Standorte respektive Zweigstellen
  • Nutzung moderner Technologien und Produktionsverfahren
  • Erschließung neuer Märkte und Geschäftsfelder