INVESTITIONSSTOPP BEI INSOLVENZ-GEFAHR

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INVESTITIONSSTOPP BEI INSOLVENZ-GEFAHR

Investitionsstopp bei Insolvenz-Gefahr: Nur Liquidität schafft Mittel für Investitionen!

Sie stecken für Ihr Unternehmen erhebliche Finanzmittel in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, in neue Maschinen und Anlagen und in eigene Firmenimmobilien? Dann geht es Ihnen gut.

Kann, aber muss nicht.

Denn Investitionen sind nicht immer ein Ausweis für florierendes Geschäft. Manchmal können sie ein Unternehmen retten, ein anderes Mal aber ebendiesem den endgültigen Stoß in die Zahlungsunfähigkeit versetzen.

Also lieber kein Geld ausgeben und alle Investitionspläne stoppen?

Grundsätzlich: Das Geld zusammen halten

Jeden Euro, den Sie in der Firmenkasse haben, können Sie nur einmal ausgeben ‒ genauso, wie Sie ihn ja nur einmal eingenommen haben.

Daher am besten Daumen drauf und nur unbedingt notwendige oder sorgsam überlegte Ausgaben vornehmen.

Generell soll der Investitionsstopp einem Ziel dienen: die knappe Ressource Geld so gut wie möglich zusammen zu halten.

Falls im Unternehmen so etwas wie eine Insolvenz-Gefahr aufkommt, deutet dies auf finanzielle Probleme hin, sonst wäre es ja gar nicht erst zu einem Liquiditätsengpass oder gar einer Liquiditätskrise gekommen.

Und warum? Dieser Frage sollten Sie unbedingt nachgehen. Nur wenn Sie die Ursachen für die aktuelle Finanzklemme kennen, sind Sie in der Lage, angemessen darüber zu entscheiden, inwiefern ein Investitionsstopp sinnvoll ist oder vielleicht auch zum Nachteil des Unternehmens werden dürfte.

Drohende Zahlungsunfähigkeit ‒ nur ein Signal. Die Katastrophe kommt erst bei Nichtbeachtung.

Die relativ bessere Ausgangslage ist hier noch die drohende Zahlungsunfähigkeit. In dieser Situation entdecken Sie: Es wird finanziell eng und die realistische Gefahr besteht, dass Ihr Unternehmen nicht mehr alle Rechnungen begleichen kann.

Aber es kann noch schlechter kommen: akute Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung. Dann haben Sie keinerlei finanziellen Spielraum mehr. Ihr Unternehmen steht mit dem Rücken zur Wand, und Sie spüren: Es geht jetzt um die Existenz.

Zwischen der drohenden und der akuten Zahlungsunfähigkeit gibt es also einen Unterschied ‒ in der Größe des Defizits, in Ihrem finanziellen Spielraum und Ihrer unternehmerischen Handlungsfähigkeit. Manchmal ist es noch ein großer, manchmal aber nur ein kleiner Schritt vom einen Zustand in den anderen.

Daher kommt die Katastrophe erst, wenn Sie weder ein Frühwarnsystem eingebaut und beachtet haben oder kein richtiges Risikomanagement betreiben. Unser Rat: Alle Entwicklungen und Kennzahlen beobachten und auf negative Veränderungen sofort reagieren.

Sofortmaßnahmen können helfen

In der Liquiditätskrise müssen Sie gleichermaßen in zwei Richtungen handeln: die Ausgaben drastisch reduzieren und die Einnahmen deutlich erhöhen. Darauf haben wir in diesem Blog immer wieder hingewiesen.

Vor den energischen Maßnahmen zur Einnahmensteigerung müssen Sie unverzüglich an die Kosten rangehen ‒ das ist absolut unverzichtbar, komme, was wolle.

Hier nur kurz einige bewährte Einsparmaßnahmen:
  • Zu Lasten Ihrer Kunden das Erwirkungen von ‒ zumindest anteiligen ‒ Forderungsverzichten, Vorauszahlungen und Vorkasse
  • Zu Lasten Ihrer Zulieferer das Einräumen von größeren Skonto-Margen und Lieferantenkrediten bis hin zu Senkungen der Einkaufspreise
  • Zu Lasten Ihrer Beschäftigten zunächst einen Einstellungsstopp, dann Kürzungen bei Sonderleistungen, Löhnen und Gehältern sowie als letztes Mittel möglichst sozial verträgliche Stellenstreichungen
  • Zu Lasten der Geschäftsleitung ‒ ja, zu Lasten von Ihnen! ‒ spürbare Senkungen bei Gehältern, Tantiemen, Boni und Sonderleistungen für Geschäftsführer und Vorstand
  • Zu Lasten der Gesellschafter Senkung oder Verzicht von Gewinnauszahlungen usw.
  • Zu Lasten des Betriebes Reduzierung laufender Betriebskosten wie Pacht, Miete, Leasingraten sowie ein Investitionsstopp.

Die Maßnahmen gelten zumeist nicht für immer, sondern sind befristet. Sie müssen mindestens so lange durchgeführt werden, bis das Unternehmen wieder auf finanziell soliden Beinen steht.