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Effiziente Restrukturierung - dies sind die wesentlichen Erfolgskomponenten

Droht eine Unternehmenskrise oder ist sogar schon die Existenz einer Firma bedroht, hilft oftmals nur noch eine voll umfängliche Restrukturierung. Sie stellt quasi das letzte Mittel dar, um das eigene Unternehmen wieder zurück in den grünen Bereich zu führen. Dies birgt einerseits sicherlich Risiken, bietet Unternehmen auf der anderen Seite aber große Möglichkeiten, einen Wandel einzuleiten und neue Perspektiven zu schaffen.

Restrukturierung: für Arbeitnehmer oftmals gleichbedeutend mit Stellenabbau

Ist von einer Restrukturierung im Rahmen einer Unternehmenskrise die Rede, schrillen gerade bei Arbeitnehmern erst einmal kräftig die Alarmglocken. Nicht ohne Grund, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Ob etwa Siemens in Erfurt und Görlitz, Hapag-Lloyd in Hamburg oder zum Beispiel Knorr in Heilbronn - bei der Mehrzahl der Unternehmen ging eine Restrukturierung immer mit einem bestimmten Stellenabbau einher. Arbeitnehmer setzen den Begriff der Restrukturierung daher auch immer in einen Kontext mit Arbeitslosigkeit. Zugegeben, in den meisten Fällen sind Entlassungen im Zuge einer Unternehmenskrise auch tatsächlich nur schwer abzuwenden. Allerdings gibt es dennoch Ansätze, die belegen, dass es bei einer Restrukturierung nicht sofort zwingend zu Entlassungen oder sogar Massenentlassungen kommen muss.

Die Mitarbeiter als Zünglein an der Waage bei einer geplanten Restrukturierung

Allerdings ist es grundsätzlich nicht von der Hand zu weisen, dass Restrukturierungen in den meisten Fällen äußerst massive Auswirkungen auf die Beschäftigten haben. Und dies gilt nicht nur für die von einer Entlassung betroffenen Arbeitnehmer, sondern auch für die im Unternehmen verbleibenden Mitarbeiter. Denn diese sollen schließlich die Zukunft des Unternehmens mitprägen und mitsichern. Daher stellen gerade das Einbeziehen der Mitarbeiter und die Kommunikation mit den Mitarbeitern eine wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Restrukturierung dar. Dabei ist es enorm wichtig, dass die Führungsebene in einem Unternehmen den Mitarbeitern transparent und verständlich aufzeigt, welche Maßnahmen geplant sind und welche Chancen sich durch eine erfolgreiche Umstrukturierung bieten. So sollte zum Beispiel jeder im Unternehmen verbleibende Mitarbeiter detailliert informiert werden, welchen Tätigkeitsbereich und welche Aufgaben er in Zukunft übernehmen wird. So können sich die Beschäftigten frühzeitig sowie gezielt auf die neuen Anforderungen vorbereiten. In der Regel steigt dann auch gleichzeitig die Identifikation mit den neuen Tätigkeiten.

Bei unternehmerischer Schieflage ziehen oftmals die Gläubigerinstitute die Notbremse

Die Erfahrung zeigt, dass bei einer drohenden oder akuten Unternehmenskrise nicht jedes Management die Notwendigkeit zeitgerechter und kontinuierlicher Korrekturmaßnahmen sofort erkennt. Studien bestätigen, dass selbst bei einer existenzgefährdenden Schieflage viel zu spät Maßnahmen ergriffen werden. In mehr als 80 Prozent sind des dann vor allem die Kreditinstitute, die die Reißleine bzw. die Notbremse ziehen. Unternehmer möchten dagegen das Thema immer gerne intern halten und verschließen sich oftmals auch externer Hilfe. Und dies um so mehr, je gefährdeter das Unternehmen tatsächlich ist. Dies ist ein Phänomen, das überwunden werden muss. Ansonsten gerät ein Unternehmen in eine Zwangslage, in der die Geschäftsführung nicht mehr eigenständig die Restrukturierung einleiten kann.

Die Grundlage jeder Restrukturierung bilden dabei diese Punkte

  • Krisenerkennung: Eine aktuelle oder auch baldige Bedrohung sollten intern die oberste Führungsebene oder zum Beispiel die Gesellschafter erkennen. Extern können sowohl Banken als etwa auch Lieferanten Anzeichen für eine Unternehmenskrise entdecken.
  • Sofortmaßnahmen: Bei einer akuten oder auch einer sich abzeichnenden Unternehmenskrise können Sie dann sofort erste Sofortmaßnahmen einleiten. Die Reduzierung von Kosten, das Stornieren von Aufträgen oder das Veräußern von Vermögenswerten sind exemplarische Beispiele für diesbezügliche Sofortmaßnahmen. Bei Sofortmaßnahmen sollte es in erster Linie immer um den Bestandsschutz gehen. Denn gerade in einer Unternehmenskrise geht Liquidität - am Anfang - erst einmal vor Rentabilität.

Sofortmaßnahmen zum Bestandsschutz "Liquidität vor Rentabilität"

  • Gestaltung eines Sanierungskonzeptes: Hierfür ist es wesentlich, die Ursachen für die Unternehmenskrise explizit herauszufiltern, und eine umfassende Ist-Analyse zu erstellen. Die jeweiligen Informationen und Daten bilden dann die Grundlage der geplanten Restrukturierung. Darauf aufbauend können Sie Ziele definieren, den Finanzbedarf festlegen und schließlich entsprechende Maßnahmen einleiten.
  • Informieren und Einbeziehen aller Beteiligten: Um Transparenz und vor allem auch Vertrauen von Kreditinstituten, Investoren, Lieferanten oder auch den eigenen Mitarbeitern im Hinblick auf die Restrukturierung zu generieren, ist es zwingend notwendig, dass das Management allen Beteiligten die Sachlage erklärt, zukünftige Maßnahmen erläutert und bestimmte Zielvorgaben präsentiert.
  • Durchführung der Restrukturierung bzw. der Sanierungsmaßnahmen: In dieser Phase werden die geplanten Maßnahmen dann real durchgeführt. Hierbei kommt es vor allem auf Nachhaltigkeit an. Hierfür sind die mittel- und langfristig ausgerichteten Maßnahmen der Wertmaßstab, da diese in der Regel die Stabilität und die Zukunft des Unternehmens betreffen. Fruchten allerdings die Sofortmaßnahmen und auch die ersten mittelfristigen Maßnahmen nicht, sollte sich das Management spätestens ab diesem Zeitpunkt ernsthaft Gedanken über die Insolvenz machen.
  • Sanierungscontrolling: Ein effektives Controlling stellt ein entscheidendes Instrument für die Steuerung der Restrukturierung und für die Überprüfungen der eingeleiteten Maßnahmen auf Erfolg dar. Durch ein umfassendes Controlling wird sofort deutlich, ob gegebenenfalls Anpassungen am Sanierungskonzept vorgenommen oder bestimmte Maßnahmen ersetzt werden müssen.

Qualität des Krisenmanagements als grundlegender Erfolgsfaktor

Ausschlaggebend für den Restrukturierungserfolg ist aber immer die Qualität des Krisenmanagements. Im Grunde genommen bildet immer das Know-how und die Erfahrung im Verbund mit einer hohen sozialen Kompetenz (gerade im Hinblick auf die Mitarbeiter betreffende Veränderungen und einem möglichen Stellenabbau) die Basis für eine erfolgreiche Sanierung und Umstrukturierung. Multiplikatoren und Meinungen Externer können hier zudem wichtigen Input liefern. Schließlich zählt die Krisenbewältigung und die Restrukturierung zu den anspruchsvollsten Aufgaben einer Unternehmensführung. Folgende Anforderungen sind immer grundlegende Elemente einer Krisenbewältigung und Umstrukturierung:

  • hohe betriebswirtschaftliche Anforderungen
  • unterschiedliche Erwartungen der involvierten Beteiligten; die Interessen müssen koordiniert werden
  • nur ein begrenzter Zeitrahmen steht zur Verfügung
  • nur limitierte Personalressourcen für die Umsetzung von Maßnahmen
  • Krisenmanagement muss Vielzahl an haftungs- und strafrechtlichen Risiken beachten