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GRÜNDE FÜR DIE UNTERNEHMENSNACHFOLGE

Gründe für die gezielte Planung der Unternehmensnachfolge

Die meisten familiengeführten Betriebe in Deutschland finden sich unter den kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU). Darunter gibt es Erfolgsgeschichten, die bis in die vierte, fünfte oder sechste Generation reichen. Dem gegenüber stehen statistisch gesehen allerdings Zahlen, die ernüchtern. Denn von allen Familienunternehmen haben lediglich nur rund fünf Prozent Bestand bis in die dritte Generation. Der Rest scheitert sehr häufig daran, dass nicht rechtzeitig für eine geregelte Unternehmensnachfolge gesorgt wurde.

Schätzungen gehen dahin, dass jedes Jahr etwa 2.000 Betriebe schließen müssen, weil die Nachfolge nicht eindeutig oder gar ungeplant in Angriff genommen wurde. Ein großes Risiko bergen unerwartete Unternehmensnachfolgen. Wird der Inhaber unversehens schwer krank, hat er einen Unfall oder stirbt er plötzlich, kann ein Betrieb von heute auf morgen in unüberwindbare Schwierigkeiten geraten, aus denen er nicht mehr herauskommt.

Bei einem fehlenden Notfallplan kann auf Grund der temporären Führungslosigkeit die Gefahr hinzukommen, dass Kreditgeber das Unternehmen in ihrem Rating herabstufen und Liquiditätsprobleme nicht überbrückt werden können. Potenzielle Kunden sehen eventuell von der Vergabe langfristiger Aufträge ab, wenn sie eine Erfüllung als nicht mehr gewährleistet einschätzen. Diese schädlichen Auswirkungen lassen sich mit einer gezielt geplanten Unternehmensnachfolge vermeiden oder zumindest deutlich verringern.

Warum die Klärung der Unternehmensnachfolge so wichtig ist

An erster Stelle steht in der Regel das altersbedingte Ausscheiden des Firmeninhabers. Jeder Firmenchef muss sich vor Augen halten, dass irgendwann unweigerlich Schluss ist und ein Nachfolger sein Amt übernehmen muss. Das kann ein Familienmitglied sein oder ein von außen kommender Käufer. In manchen Fällen erfolgt die Übernahme auch durch einen Mitarbeiter-Buy-Out.

Unerwartete Fälle wie eine schwere Krankheit, ein Unfall oder ein plötzlicher Tod wurden bereits erwähnt. Bei der Nachfolge durch ein Familienmitglied können auch Interessensverschiebungen eine wichtige Rolle spielen, etwa wenn eine Tochter oder ein Sohn das Produktportfolio in eine andere Richtung lenken oder althergebrachte Fertigungsmethoden automatisieren oder digitalisieren. In diesem Zusammenhang sind auch Veränderungen der wirtschaftlichen Situation auf Grund technischer Weiterentwicklungen zu berücksichtigen.

Fehler im Zuge der Unternehmensnachfolge

Der größte Fehler bei der Nachfolgeregelung ist, dass diese nicht rechtzeitig und nicht gezielt angegangen wird. Häufig liegt das nicht an formalen oder technischen Fragen, sondern an einer mangelnden zwischenmenschlichen Kommunikation und Interaktion. In vielen Familienunternehmen wird stillschweigend vorausgesetzt, dass eines der Kinder den Betrieb übernimmt, weil es als idealer Nachfolger gesehen wird oder weil es eben "schon immer so war".

Was aber, wenn der Nachwuchs nicht für eine Führungsrolle qualifiziert ist, die fachliche Kompetenz nicht mitbringt oder ganz andere Vorstellungen von seinem Lebensweg hat? Es gibt genügend Beispiele, dass eine Tochter oder ein Sohn mit den technischen und wirtschaftlichen Vorgaben eines Unternehmens nichts anfangen können, weil sie etwa statt Geschäftsführer eines Maschinenbaubetriebes lieber Künstler, Arzt oder Lehrer werden möchten. Bei mangelnder Kommunikation kommt es schnell zu schweren Krisen innerhalb der Familie, die sich auch auf die Entwicklung des Unternehmens auswirken. Ohne eine ernsthafte Auseinandersetzung mit solchen Fragen und eventuell eine professionelle Begleitung durch versierte Ökonomen, technische Sachverständige, Rechtsberater oder auch Psychologen ist ein Scheitern der Nachfolge praktisch vorprogrammiert.

Nachfolgeregelung als Teil der strategischen Unternehmensplanung

Eine Planung der Nachfolge inklusive einer vorab geregelten Erbfolge sollte deshalb ein wesentliches Ziel der strategischen Unternehmensplanung sein. Denn eine gut geregelte Unternehmensnachfolge dauert erfahrungsgemäß drei bis fünf Jahre, manchmal auch länger. Eine gezielte Einarbeitung und Begleitung potenzieller Nachfolger und somit eine gleitende Führungsübertragung braucht ihre Zeit, wenn sie erfolgreich sein soll.

Als erste Person steht der Firmeninhaber in der Pflicht. Auch wenn er sich selbst noch als hundertprozentig leistungsfähig und flexibel genug sieht, den Marktanforderungen gerecht zu werden, muss er sich rechtzeitig um eine Nachfolgeregelung kümmern und entsprechende Maßnahmen einleiten. Scheidet der Nachwuchs bei der Wahl aus, sollten andere Möglichkeiten in Betracht gezogen werden. Der Inhaber könnte einen Partner ins Boot holen, der über finanzielle Mittel und das entsprechende Branchen-Know-how verfügt, oder nach einem potenziellen Käufer Ausschau halten, der nach einer bestimmten Frist das Unternehmen vollständig übernimmt.

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt - der Übergabe- und Übernahmeprozess ist komplex und will gut überlegt sein. Durch die fundierte Planung, Umsetzung und Kontrolle der Unternehmensnachfolge kann vermieden werden, dass ein Familienbetrieb plötzlich ohne Geschäftsführung dasteht und in eine schwere Krise gerät. Darüber hinaus lassen sich Erbstreitigkeiten innerhalb der Familie abfedern, die häufig zu einer akuten Gefährdung der Liquiditaet führen, weil sofortige Ansprüche Dritter gegen die Nachfolger gestellt werden. Dabei sollte auch immer im Blick bleiben, dass durch eine ungeregelte Unternehmensnachfolge die Sicherung und der Fortbestand von Arbeitsplätzen gefährdet ist. Wenn 50, 100 oder mehr Mitarbeiter ihren Job verlieren, steht auch deren Existenz und Zukunft samt der ihrer Familien auf der Kippe.

Eine sorgfältig geplante und durchgeführte Unternehmensnachfolge sichert den Fortbestand und die weitere Entwicklung. Das Familien- und Betriebsvermögen bleibt erhalten, Streit unter den Erben wird vermieden und auch steuerliche Mehrbelastungen können verhindert werden. Häufig geht die Regelung der Nachfolge jedoch im Tagesgeschäft unter und wird weder konsequent genug noch strategisch sinnvoll betrieben. Eine gezielte unabhängige Moderation und Beratung durch Außenstehende, die in allen Fragen der Unternehmens- und Vermögensnachfolge kompetent sind, ist dann in der Regel die einzige Alternative.