VORSICHT ANFECHTUNGSFALLE!

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GLÄUBIGER EINES UNTERNEHMENS KURZ VOR DER INSOLVENZ – VORSICHT ANFECHTUNGSFALLE!

Durch Anfechtung holt der Insolvenz-Verwalter Gelder zurück in die Insolvenzmasse

Der Insolvenz-Verwalter hat die Aufgabe, die Insolvenzmasse auszubauen, um alle Gläubiger zufrieden zu stellen. Wenn Ihre Lieferanten oder andere Geschäftspartner kurz vor der Insolvenz stehen oder wenn gegen sie bereits ein Insolvenz-Verfahren eröffnet worden ist, bekommen Sie es mit einem Insolvenz-Verwalter zu tun. Dieser kann Zahlungen, die im Vorfeld des Verfahrens an ausgewählte Gläubiger gegangen sind, wieder in die Insolvenzmasse zurückholen:

Das gilt beispielsweise für Zahlungen an Familie, Freunde und Bekannte oder an Geschäftspartner des Schuldners, sofern diese wussten, dass der Schuldner pleite ist bzw. kurz vor der Pleite steht. Die Anfechtung ist dann wirksam, wenn der Gläubiger wissentlich von einer späteren insolventen Person oder Firma Zahlungen erhalten hat, während alle anderen Gläubiger auf ihr Geld verzichten mussten.

Wie können Sie die Zahlungsunfähigkeit des späteren Insolvenzschuldners erkennen?

Damit die Anfechtung greift, müssen Sie als Gläubiger von der finanziellen Lage des Schuldners eindeutig Kenntnis gehabt haben. Dabei kommt es auf das Kennen, im Sinne von konkretem Wissen, nicht an. Es reicht allein aus, dass Sie als Gläubiger „Umstände kennen“.

Also dass Ihnen sogenannte Beweisanzeichen auffallen, aus denen ein in Geschäftsangelegenheiten erfahrener Gläubiger den Rückschluss auf eine (drohende) Zahlungsunfähigkeit schließen muss. Also: Zunächst Augen auf und gesundes Misstrauen, aber nicht übertriebene Vorsicht.

Was bedeutet das für Sie als Gläubiger?

Etwas sehr Unangenehmes: Der Insolvenz-Verwalter kann das Geld zurückverlangen, das der spätere Insolvenzschuldner – also immerhin Ihr Kunde, Ihr Geschäftspartner – innerhalb eines bestimmten Zeitraums vor dem Insolvenz-Verfahren an seine Gläubiger, also auch an Sie, gezahlt hat. Und dieser Zeitraum ist nicht kurz: Er beträgt vier Jahre.

Sensibilität und sogar Misstrauen sind geboten

Das Gesetz verlangt vom Gläubiger höchste Sensibilität: Ihm wird bereits die Kenntnis über die drohende Zahlungsunfähigkeit nachgesagt, wenn der Schuldner um den Abschluss einer Stundungs- und Ratenzahlungsvereinbarung nachsucht, sofern er diese Bitte mit dem Hinweis verbindet, ansonsten die fälligen Gelder nicht zahlen zu können.

Auch die Drohung mit einem Inkassobüro, mit gerichtlichen Schritten oder der Zwangsvollstreckung aus titulierten Forderungen zählt hierzu.

Minenfeld Posteingang: Post vom Insolvenzverwalter sofort beantworten!

Sie sehen: Vor Ihnen, der Sie sich bislang als seriös agierender Kaufmann empfunden haben, lauert auf einmal ein Minenfeld. Also ist höchste Vorsicht geboten.

Wenn Sie als Gläubiger Post von einem Insolvenz-Verwalter erhalten, ist dringend fachlicher Rat gefragt. Sie müssen hierauf reagieren; ansonsten werden Sie verklagt und riskieren erhebliche Kosten.