DIE GRÖSSTEN UNTERNEHMERFEHLER:
ZU HOHE PRIVATAUSGABEN

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ZU HOHE PRIVATAUSGABEN

Serie: die größten Unternehmerfehler

Nicht wenige Unternehmenskrisen sind auf einen verschwenderischen Lebensstil des Geschäftsführers zurückzuführen. Häufig liegen Privatausgaben und Geschäftsführergehälter deutlich jenseits eines verhältnismäßigen Rahmens. Nicht selten sind die Folgen existenzbedrohend.

Privatentnahmen bei vielen Unternehmern zu hoch

Ein Unternehmer hat nicht im selben Maße Anspruch auf ein Festgehalt wie ein angestellter Mitarbeiter. Seine Vergütung setzt sich aus dem zusammen, was nach Bedienung aller Verbindlichkeiten an liquiden Mitteln verbleibt. Und das ist gerade in der Anfangszeit oft weniger als bei einem Arbeitnehmer mit einer vergleichbaren Tätigkeit. Hinzu kommt, dass der Geschäftsführer bei einer GmbH mit seinem Privatvermögen für unternehmerische Fehler haftet.

Problematisch gestaltet sich dies, wenn er seiner Ansicht nach Anspruch auf eine luxuriöse Lebensführung hat. Gewährt die Bank großzügige Entnahmen, bildet sich schnell eine Abwärtsspirale und offene Forderungen können nicht mehr befriedigt werden. Es droht der Verlust des Unternehmens und des Privatvermögens. Entsprechend wichtig ist es, seine Ausgaben den Einnahmen unterzuordnen und auf eine strikte Trennung von Firmen- und Privatvermögen zu achten.

Geschäftsführergehalt sollte nicht zu hoch sein

Es gibt noch weitere Gründe, warum Geschäftsführer ihre Vergütung nicht zu hoch ansetzen sollten. Ist ihr Gehalt zu hoch, unterstellt der Fiskus unter Umständen eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA). Das kann zu Steuernachzahlungen führen. Bei einem sehr hohen Gehalt fallen die Körperschafts- und Gewerbesteuer niedriger aus. Zu niedrig sollte das Gehalt auf der anderen Seite auch nicht sein, da dann mehr Steuern gezahlt werden, als es eigentlich sein müsste. Gerade junge Geschäftsführer sollten sich deshalb immer erst einmal bewusst machen, wie sich ihr Gehalt zusammensetzt.

Die Zusammensetzung des Geschäftsführergehalts

Das Gehalt des Geschäftsführers wird durch die Gesellschafterversammlung festgelegt. Ist der Geschäftsführer alleiniger Gesellschafter, kann er seine Vergütung entsprechend allein festlegen. Sie setzt sich aus folgenden Bestandteilen zusammen:

  • Monatliches Festgehalt
  • Urlaubsgeld
  • Weihnachtsgeld
  • Pensionszusage (fiktive Jahresnettoprämie)
  • Tantiemen
  • Gratifikationen
  • Versorgungsleistungen
  • Firmenwagen
  • Sachbezüge (Wohnungsüberlassungen, Preisnachlässe, Privatfeiern auf Firmenkosten etc.)

Jeder einzelne Gehaltsbestandteil ist hinsichtlich seiner Höhe zu prüfen. Weiterhin bedarf eine ordnungsgemäße Auszahlung eines korrekt ausgefüllten Anstellungsvertrages. Nur bei Vorliegen dieser Voraussetzungen erkennt das Finanzamt die Zahlungen an den Gesellschafter-Geschäftsführer als Betriebsausgaben an. Andernfalls sind die Ausgaben nicht absetzbar.

Von Bedeutung ist dabei die konsequente Einhaltung der Vertragsvorgaben. Die Vergütung muss vor Beginn des Wirtschaftsjahres klar und eindeutig geregelt sein. Eine nachträgliche Erhöhung des Gehalts ist nicht rechtmäßig. Ebenso gibt es keine Rechtsgrundlage für eine Verringerung des Geschäftsführergehalts zur Kompensation finanzieller Engpässe.

So bestimmt man ein angemessenes Gehalt

Wie hoch ein Geschäftsführergehalt sein sollte, ist steuerrechtlich relativ klar vorgegeben. Es ist dann angemessen, wenn es dem Gehalt eines Fremdgeschäftsführers entspricht, der die gleiche Tätigkeit ausübt. Dabei spielen Faktoren wie Alter, Bildung, Berufserfahrung, Größe und Leistung des Betriebs sowie Umfang und Bedeutung der Tätigkeit eine Rolle.

Grundsätzlich gilt, dass ein Geschäftsführergehalt mit steigender Beschäftigtenzahl höher ausfallen darf. Einen absoluten Höchstbetrag hat der Bundesfinanzhof (BFH) diesbezüglich nicht festgelegt. Die Angemessenheit des Gehalts prüft der Fiskus anhand dreier Kriterien: einem internen Fremdvergleich, einem externen Fremdvergleich und der Kapitalverzinsung.

1. Interner Fremdvergleich

Wenn die GmbH auch Fremdgeschäftsführer beschäftigt, sind deren Gehälter der Vergleichsmaßstab für die Angemessenheit des Gesellschafter-Geschäftsführer-Gehaltes. Darüber hinaus gilt es als legitim, wenn das Einkommen des Geschäftsführers etwa dem 2,5-fachen des Gehalts des am zweitbesten bezahlten Mitarbeiters entspricht.

2. Externer Fremdvergleich

Das Finanzamt bezieht sich bei seiner Beurteilung auch auf das Gehalt von Geschäftsführern ähnlicher Unternehmen. Dabei beruft es sich unter anderem auf Gehaltsstrukturuntersuchungen. Die daraus erstellten Tabellen können für jedes Bundesland online eingesehen werden.

3. Halbteilungsgrundsatz und Kapitalverzinsung

Zu guter Letzt sollte ein Geschäftsführer darauf achten, dass die Eigenkapitalverzinsung auch nach Zahlung seiner Bezüge noch angemessen ist. Hier gelten zehn Prozent als guter Richtwert. Handelt es sich um ein Unternehmen mit sehr hohen Erträgen, muss nach Abzug der Geschäftsführer-Vergütungen noch mindestens ein vorsteuerlicher Jahresüberschuss in gleicher Höhe übrig bleiben. Bei sehr hohen Gewinnen kann hier auch nochmal eine Deckelung vorgesehen sein.

Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Faktoren, die beim Thema Privatausgaben zu berücksichtigen sind. Hier können viele Fehler unterlaufen. Damit Ihnen das nicht passiert, helfen wir Ihnen jederzeit gern weiter. Nutzen Sie unser Expertenwissen und erarbeiten Sie gemeinsam mit uns nachhaltige Lösungen!