DIE BESTEUERUNG DER UNTERNEHMENSNACHFOLGE

FORMEN DER UNTERNEHMENSNACHFOLGE
29. Mai 2019

Lesezeit: 4 min

DIE BESTEUERUNG DER UNTERNEHMENSNACHFOLGE

Die Betriebs-, beziehungsweise Unternehmensnachfolge ist insbesondere für den Mittelstand eine sehr wichtige Thematik. Allein bis zum Jahr 2018 standen hier über 130.000 Unternehmen zur Übergabe an Nachfolger an. Die Tendenz ist steigend, da in den nächsten Jahren und Jahrzehnten viele der ursprünglichen Firmengründer aus Altersgründen die Unternehmensführung abgeben werden. Betriebsnachfolger werden vor allem, aber nicht nur aus Altersgründen gesucht. Auch Krankheit, plötzliche Todesfälle oder andere unvorhergesehene Wechselfälle des Lebens machen Nachfolgeregelungen notwendig. Manche Familienunternehmer wünschen sich auch einfach einen eleganten Übergang auf die nächste Generation. Was am Ende auch ausschlaggebend für die Vorbereitung einer Nachfolgeregelung sein mag: Die Besteuerung der Unternehmensnachfolge schwingt im Hintergrund stets als existenzielle Frage mit.

Was ist eine Unternehmensnachfolge und welche Gestaltungen sind möglich?

Eine Unternehmensnachfolge ist allgemein dadurch gekennzeichnet, dass die Unternehmensführung und das Eigentum eines übergabewürdigen Unternehmens übergehen.
Unterschieden wird speziell bei Familienunternehmen in familieninterne und -externe Nachfolgen.


Eine familieninterne Nachfolge kann folgendermaßen erfolgen:

  • unentgeltlich in Form einer Schenkung, Erbschaft oder durch Errichtung einer Stiftung
  • entgeltlich

Bei einer familienexternen Nachfolge differenziert man zwischen einer Nachfolge mit und ohne Vermögensnachfolge.

Erfolgt die Unternehmensnachfolge mit Vermögensnachfolge lassen sich weiterhin Verkäufe an natürliche und an juristische Personen unterscheiden. Beim Verkauf an natürliche Personen gibt es Varianten mit internem und externem Management.
Bei einer Nachfolgerelung ohne Vermögensübergang kommt vor allem die Gründung einer juristischen Person mit einer externen Unternehmensführung in Betracht. Ferner kann das Unternehmen auch vermietet, beziehungsweise verpachtet werden.

Wenn es um die Besteuerung der Unternehmensnachfolge geht, können unterschiedliche Steuerarten und Konstruktionen eine Rolle spielen. Dabei ist auch zu berücksichtigen, ob und wie unternehmenseigene Immobilien übertragen werden, bei denen der Übertragungsakt unter Umständen gesonderte Rechtsakte erfordert.

Welche Steuerarten können bei der Besteuerung von Unternehmensnachfolgen relevant werden?

Je nach gewählter Nachfolgeregelung geht es um:

  • Erbschafts- und Schenkungsteuer
  • Einkommenssteuer
  • Umsatzsteuer
  • Grunderwerbssteuer

Von Steuerlasten können dabei der Übernehmer wie auch der Übergeber des Unternehmens gleichermaßen betroffen sein.

Wie gestaltet man die Nachfolge so, dass die Besteuerung der Unternehmensnachfolge möglichst den jeweiligen Interessen der Beteiligten entspricht, vor allem aber den Bestand des übergehenden Unternehmens nicht gefährdet?

Die Erbschafts- und Schenkungssteuer liegt dabei im Fokus der Betrachtung bei der unentgeltlichen Übertragung.


Beim Übergang speziell von kleinen und mittleren Unternehmen steht die Existenzsicherung und Planungssicherheit für die Übernehmer im Vordergrund. Diese Art von Unternehmen werden häufig stark von einzelnen Persönlichkeiten geprägt, was eine Übergabe per se erschwert.


Der Gesetzgeber hat dieses Problem erkannt - es geht hier in der Regel auch immer um den Erhalt von Arbeitsplätzen - und deshalb sind im Bereich der Erbschafts- und Schenkungsteuer eine Reihe von steuerlichen Verschonungsregeln, bei zu übertragenden Betriebsvermögen, vorgesehen. Zu diesen Regelungen hat es in den letzten Jahren einige Diskussionen gegeben, die auch das Bundesverfassungsgericht beschäftigt haben. Es kam deshalb 2016 zu Neufassungen bestimmter Formulierungen. Vor allem die Unterscheidung von begünstigtem und nicht begünstigtem Vermögen wurde klarer herausgearbeitet. Grundsätzlich hält der Gesetzgeber daran fest, erbschafts- und schenkungssteuerrechtlich bei Unternehmensnachfolgen in einem gewissen Ausmaß Steuerbefreiungen einzuräumen. Deshalb sind in diesem Bereich weiterhin steuerlich interessante Gestaltungen von Unternehmensnachfolgen möglich.


Dabei sind die Details und Anforderungen bei der Besteuerung von Unternehmensnachfolgen im Detail sehr komplex.


Grundsätzlich setzt die Besteuerung der Unternehmensnachfolge hier an der Unterscheidung zwischen begünstigtem Betriebsvermögen und nicht begünstigtem Verwaltungsvermögen an. Unter Umständen kann originär nicht begünstigtes Verwaltungsvermögen dabei zu begünstigtem Vermögen werden, wenn es in einem gewissen Zeitraum nach der Übernahme für Investitionen in das Unternehmen verwendet wird.


Bei den Steuerbefreiungen stehen unter anderem Fortführungsverpflichtungen und zu erreichende Mindestlohnsummen für den Übernehmer im Raum, die bis zu einer Steuerbefreiung von 100 Prozent führen können. Auch ist das begünstige Betriebsvermögen auf einen Betrag von 26 Millionen Euro gedeckelt, wenn es um die sogenannte Regel- oder Optionsverschonung geht. Bei darüber hinausgehenden Werten stehen zwei Modelle zur Wahl, bei der entweder Abschläge auf Steuerbegünstigungen akzeptiert werden oder mittels der Verschonungsbedarfsprüfung eine Art Ausnahmetatbestand angenommen wird. Bei dieser Prüfung kommt dann auch Vermögen zum Teil mit in die Berechnung, das nicht begünstigt ist. Der Übernehmer muss zeigen können, dass er die Steuer nicht aus für ihn verfügbarem Vermögen aufbringen kann.


Im Erbfall kommen außerdem Stundungsregelungen in Betracht, die sich auf bis zu 7 Jahre erstrecken können. Familienunternehmen dürfen somit unter bestimmten Voraussetzungen von einem Vorwegabschlag einer Steuerbefreiung in Höhe von 30 Prozent auf begünstigtes Vermögen Gebrauch machen, wenn beim Übergang bestimmte Entnahme- und Verfügungsbeschränkungen für die Übernehmer vereinbart wurden.


Schließlich müssen die persönlichen Freibeträge und deren zeitlicher Anfall bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer ebenfalls Berücksichtigung finden.


Geschickte Gestaltungen können gerade bei Familienunternehmen zu steuerlich optimalen Ergebnissen führen. Dabei kommt es für die gewünschte Besteuerung der Unternehmensnachfolge aber auf sehr viele Details und Planschritte an. Hier sind äußerste Sorgfalt und eine sehr gute Vorbereitung wichtig, um alle Steuervorteile zu nutzen.

Weitere Aspekte bei der Besteuerung der Unternehmensnachfolge: Die entgeltliche Übertragung

Bei entgeltlichen Übertragungen richtet sich die Besteuerung der Unternehmensnachfolge an der Rechtsform des Unternehmens aus.

Dabei kann es um die Übertragung von Einzelwirtschaftsgütern oder um den Verkauf von Anteilen an Kapitalgesellschaften gehen. So entstehen im ersteren Fall - einem sogenannten Asset Deal - unter Umständen einkommensteuerpflichtige Veräußerungsgewinne, die unter bestimmten Voraussetzungen steuerbegünstigt sein können.

Bei Share Deals - der Veräußerung von Kapitalanteilen - spielen für die Besteuerung der Unternehmensnachfolge sehr komplexe Fragen wie das Teileinkünfteverfahren beim Verkäufer und das fehlende Abschreibungspotential beim Käufer eine Rolle.

Die rechtliche Gestaltung dieser Nachfolgeregelungen muss deshalb im Vorfeld sehr gut geplant werden, um die gewünschten Ergebnisse für die Beteiligten steuerrechtlich möglich zu machen. Dabei ist eine hohe Expertise in allen steuerrechtlichen Teilbereichen wichtig.

Fazit

Die Besteuerung der Unternehmensnachfolge lässt sich angemessen gestalten. Die Vorbereitung des Übertragungsvorgangs und die Entscheidung für eine bestimmte Option sollten möglichst nicht unter Zeitdruck erfolgen.

Eine sorgfältige Planung und Durchführung sichern steuerliche Vorteile sowie, in den meisten Fällen, den Fortbestand des Unternehmens auch nach der Übergabe.