BONITÄT UND BANKKREDIT

ANGST VOR BANKGESPRÄCH?
5. Oktober 2018
DIE GRÖSSTEN UNTERNEHMERFEHLER:
DAS FALSCHE PRODUKT
11. Oktober 2018

Lesezeit: 3 min

BONITÄT UND BANKKREDIT

Sie sind überzeugt: Bonität gut, Bankkredit sicher.

Wirklich?

Diese einfache Formel scheint stets aufzugehen; schließlich gilt jemand, dem Bonität zuerkannt wird, als zahlungsfähig und kreditwürdig. Dabei ist es gleich, ob es sich um eine Person, einen Verein oder einen Betrieb handelt. Ebenso spielt keine Rolle, wer der Geldgeber ist ‒ Kapitalmarkt, Bank oder Privatperson. Wer über Bonität verfügt, ist in der Lage, seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen.

Die Aktiengesellschaft, die UG, die GmbH und die GmbH & Co. KG ‒ alle Unternehmen benötigen Bonität, wenn sie einen Bankkredit aufnehmen wollen.

Dazu muss erst einmal festgestellt werden, ob der potenzielle Darlehensnehmer seine künftigen Verbindlichkeiten überhaupt bedienen kann.

Die Finanzinstitute führen dazu eine Bonitätsprüfung durch. Dazu sind sie auch verpflichtet, weil sie sich nach § 18 des Gesetzes über das Kreditwesen (KWG) vor Kreditgewährung vergewissern müssen, ob Sie in der Lage sind, ein Darlehen zu bedienen und zu besichern.

Ein Bonitätsindex hat strenge Prüfsteine

Aussagen zur Zahlungsfähigkeit und Kreditwürdigkeit lassen sich durch die einzelnen Indikatoren gewinnen, die aus den verschiedensten Informationen, Zahlenwerten und Daten zur Entwicklung des jeweiligen Unternehmens und seiner Branche gebildet werden.

In ihrer Gesamtheit geben die Indikatoren ein realistisches Bild für die Einschätzung durch die Bank. Sie sind Prüfsteine, die in einem Bonitätsindex übersichtlich zusammengefasst werden.

Schauen wir uns so einen Index einmal an! Seit 1984 nutzt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform einen Bonitätsindex, der im wesentlichen auf folgende Prüfsteine zurückgreift:

  • Rechtsform (eine AG erfordert ein höheres Stammkapital als eine GmbH und eine GmbH mehr als eine UG)
  • Unternehmensalter und Unternehmensentwicklung
  • Jahresabschlussdaten sowie aktuell Umsatz, Auftragslage und Kapitalsituation
  • Erfahrung des Managements
  • Anzahl Mitarbeiter und das Verhältnis Umsatz/Mitarbeiter
  • Die Eigenkapitalquote (je höher, desto geringer das Ausfallsisiko) sowie das Verhältnis Kapital/Umsatz
  • Zahlungsweisen und Zahlungserfahrungen Externer mit dem Unternehmen
  • Branchenrisiko und Regionenrisiko

Die einzelnen Angaben werden in Bewertungspunkte umgerechnet, aus denen sich eine dreistellige Zahl ergibt: von 100 (ausgezeichnete Bonität mit hohen Kreditsicherheiten) bis zu 600 (Zahlungseinstellung).

Im Zentrum der Beobachtung steht die Ausfallwahrscheinlichkeit. Damit ist die Einschätzung gemeint, wie hoch wohl das Risiko ist, dass ein Unternehmen binnen zwölf Monaten in eine der beiden schlechtesten Bonitätsklassen (500 oder 600) rutscht.

Schön wär’s: AAA im Rating System

Auch Rating-Systeme sind Modelle zur Bonitätsbewertung. Unternehmen, die an der Börse gelistet sind, werden nach bestimmten Ratings eingestuft.

Gleiches tun die Finanzexperten auch bei Staaten, deren Bonität auf dem Kapitalmarkt beurteilt werden soll – denken Sie an die Einstufung von Griechenland im Verlauf der Euro-Krise.

Die bekanntesten Rating-Agenturen sind Moody’s, Fitch Ratings sowie Standard & Poor’s.

Ihre Bewertung drückt sich meist in drei Buchstaben aus, beispielsweise AAA für ein finanziell besonders solides oder CC- für ein finanziell sehr schwach aufgestelltes Unternehmen. Das „Triple-A“ wie es derzeit etwa Luxemburg, die Schweiz, Deutschland und Australien haben, ist sehr begehrt, muss aber immer wieder hart erarbeitet werden.

Ähnliche Bewertungssysteme nutzen auch bekannte Wirtschaftsauskunfteien und Inkassobüros wie die Schufa, Euler Hermes, CRIFBÜRGEL und Intrum Justitia.

Schlechte Bonität kann zur Insolvenz führen

Ein dickes Minus bei der Bonitätsbeurteilung kann im Ergebnis durchaus in eine Insolvenz münden. Das geschieht beispielsweise, wenn ein Unternehmen in der Krise dringend Liquidität benötigt, diese jedoch nicht herstellen kann, weil es aufgrund seiner schlechten Bonität keinen Bankkredit mehr erhält. Dann wird der Liquiditätsengpass schnell zur Insolvenzfalle.

Wenn es nicht ganz so schlimm kommt und das Unternehmen trotz seiner nicht besonders überzeugenden Kennzahlen dennoch ein Darlehen erhält, dann geschieht das nur zu nachteilhaften Rahmenbedingungen:

Eine negative Bonität führt in der Regel immer zu schlechteren Finanzierungskonditionen, weil das Ergebnis jeder Bonitätsprüfung zugleich ein Gradmesser dafür ist, ob und zu welchen Zinssätzen ein Unternehmen sich Geld leihen kann. Im Klartext: Der Kreditfließt zwar, wird aber deutlich teurer.

Bitte behalten Sie im Auge, dass Banken variierende Bonitätskriterien aufweisen. Deswegen empfiehlt es sich, mehr als eine Bank zu konsultieren ‒ schon alleine, um das finanziell attraktivste Angebot ausfindig zu machen. Schauen Sie nicht nur auf die Konditionen; manchmal kann eine gute Beratung und Betreuung ebenfalls sehr wichtig sein.

Achten auch Sie auf die Bonität Ihrer Kunden!

Doch betrachten wir Ihr Unternehmen nicht nur als Schuldner, der Verpflichtungen eingehen und erfüllen muss. Auch als Gläubiger sollten Sie sich mit dem Thema Bonität intensiv beschäftigen. Vor allem dann, wenn Sie Waren oder Dienstleistungen in Raten an Unternehmen und an Endkunden, also Konsumenten, verkaufen.

Sicherlich nimmt ein Betrieb als Ihr Kunde deutlich größere Mengen ab als ein Endverbraucher. Aber ein Risiko besteht immer. Denn sobald Großkunden oder viele Konsumenten nicht zahlen, kann Sie das schnell in finanzielle Bedrängnis bringen.

Verfügen Ihre Kunden über eine gute wirtschaftliche Bonität, dann können Sie ihnen durchaus einen Lieferantenkredit einräumen. Das erleichtert die Zahlungsabwicklung und festigt die Geschäftsbeziehungen – wenn beide Partner wirtschaftlich stabil sind.

Gehen Sie auf Nummer Sicher und holen Sie vor Geschäftsabschluss vor allem über Neukunden detaillierte Informationen ein.

Sie bekommen wichtige Kennzahlen und Bewertungen über Unternehmen und Kunden nicht nur von Wirtschaftsauskünften, sondern auch durch Eigenrecherche:

So können Sie mittels Suchmaschinen verschiedenste Informationen, Tests und Meinungen über Produkte oder Hersteller finden und sich dadurch ein Stück weit über die Qualität und das Image eines Geschäftspartners ein besseres Bild machen. Übrigens: Testen Sie das Produkt des Kunden und von Wettbewerbern, um zu schauen, wie es qualitativ darum steht.

So verbessern Sie Ihre Bonität

  • Drehen Sie an einer häufig unterbewerteten Stellschraube: dem Tilgungszeitraum. Wählen Sie lieber einen längeren Zeitraum, weil Sie dadurch finanziell etwas mehr Luft haben als bei einer allzu ehrgeizigen Rückzahlungspolitik.
  • Wenn es finanziell machbar ist, streben Sie eine vorzeitige Tilgung von Kreditverbindlichkeiten an. Denn dies kann kostengünstiger sein ‒ aber nur, sofern Sie die dafür benötigten freien Mittel ohne Probleme erwirtschaften können.
  • Prüfen Sie regelmäßig Ihre Kosten. Vielleicht haben Sie unnötig zu hohe Aufwendungen für Personal und Miete.
  • Tätigen Sie nur Investitionen, die für das Unternehmensziel sinnvoll sind. Wägen Sie alles vorher genau ab.